Wie "Trier by night" entstanden ist
Das erste Woltährianer-Spektakel unter dem Titel "Trier by night" fand am 27. 4. 2002 in den Forumsthermen am Viehmarkt statt. Mit den Freunden von "Flöten
Töne"/"Pipes n Strings" (feat. Chris Oberweis) und den "Rambling Rovers" (feat. Andi Sittmann). Verbunden mit einer Ausstellung der ganz erstaunlichen Ölbilder von Elfi Simon, Mertesdorf (s. Plakatmotiv).
Dass wir diesen Raum, der sonst zu völlig überteuerten Preisen und Versicherungspolicen von den Burgen/Schlösser/Altertümern in Koblenz (Estein) gemietet werden kann, sogar mal "für lau" haben konnten, hing damit zusammen, dass wir am 1. 7. 2001 dort ohne Gage, aber mit der Option auf ein eigenes Konzert, eine Ausstellungseröffnung begleitet hatten. Der Trierer OB Schröer sprach ein Grußwort. WL "Woltähr" rückte ihm das Mikrofon zurecht unter der Silhouette des 1848er Revoluzzers Friedrich Hecker, dessen überlebensgroßen Scherenschnitt wir von der 48er Ausstellung im Museum Simeonstift 1998/99 gerettet hatten (s. Foto).
Dort hatten wir im Herbst/Winter/Frühjahr 98/99 allein 10x unsere 48er-Revoluzz-Revue aufgeführt (s. CD "Volkes Stimme"). Ein Foto von Roland Michel (beteiligter Aktionskünstler aus Auw a. d. Kyll) zeigt W., Andi & Chris in Aktion am Trierer Stadtmodell des 19. Jh. im Simeonstift (in der Mitte: die Museumsdirektorin Ella Dühr mit Kindern; 3. v. re der Flöten- und Dudelsack-Virtuose Volker Dellwo, der noch bei den Liedern der CD "Trierer Venus", 1996, dabei war). Einen Titel, den wir ebendort schon gebracht haben, den "Kirchgang" aus dem "Wintermärchen" von Heinrich Heine, haben wir jetzt endlich in den Trierer Nachtspaziergang "
by night" integriert! (Mit Carsten Söns ansonsten Bass als Erzähler und W. als "die Tat von deinen Gedanken!")
Anfang Juli 2002 hat Uwe sich den Arm gebrochen. Am 15. 7. 02 hat es auch WL "Woltähr" erwischt: das Foto vom Weinstand auf dem Hauptmarkt zeigt Carsten als lachenden Dritten. Da ahnten wir noch nicht, dass es genau 1 Jahr dauern würde, bis die CD mit den vielen neuen Liedern erscheinen sollte. War vielleicht auch was Gutes dran, dass wir uns wieder viel Zeit nehmen mußten, bis wir das CD-Projekt angehen konnten: so ist dann ausgehend vom Weinstand ("Hei stiehn die, die ömmer hei stiehn" was auch beim Jupp in der "Glocke" zu lesen steht) die Idee für das Titellied geboren worden: "Trier bei Naocht" (02) zu beschreiben; wenn die Lumpenglocke vom Gangolfsturm verstummt ist, der Nachtwächter den letzten Nachteulen heimgeleuchtet hat (01) da gehen wir erst auf Jück! da gehts erst richtig los mit den Trierer Milieustudien "by night":
03 Aussprache mit dem Geist Franz Weissebachs, der am Palastgarten aus der Mauer
kuckt
04 bei Hänsjen Klein und seiner Familie vor der Kreisverwaltung Trier-Saarburg
05 den Mosel-Indianern vom Kl. Volksthaeter um Helm Leiendecker gewidmet
06 eins unserer Lieder von m richtigen Halbindianer vom St.-Lorenz-Strom
(Canada)
08 die Sehnsucht der Treverer nach dem Meer, der Brandung, den Seevögeln
-
09 wenn "der Mann vom Meer" es mit der Mondgöttin treibt
10 weil alles Warten auf "Godotta"
11 und sonstige "gefallene Engel"
12 nicht in den Sternen stand
14 Ein frz. Bett (1,40 x 1,90 m) hat es auch nicht richten können
16 und (die) beziehungs-los(igkeit) so vor sich hin zu leben scheint
gang und gäbe zu sein
17 ist unser Körper doch Treibgut, Parkplatz für Wanderseelen nur
18 obwohl Amors Pfeil gerne mal getroffen
19 oder das Herzflämmchen sich gern in m Leuchtturm am Meer niedergelassen
hätte -
20 am Mississippi, New Orleans, wo der Komponist des "Mosellieds",
Georg Schmitt aus Zalawen, auch mal die Orgel gespielt hat; der wie Heine in
Paris verheiratet war und wie der auch dort begraben liegt
Willie Dunn, kanadischer Singer/Songwriter, der schon vor 20 Jahren auf
dem Open-Ohr-Festival in Mainz zu hören war, hat eine indianische Mutter
von der Ostküste (Nova Scotia) und einen britischen Vater (der als Hafenarbeiter
in den Docks von Montreal arbeitete). WL hat ihn um Halloween 2000 herum zu
Hause in Ottawa besucht, man hat die halbe Nacht zusammen Musik gemacht, und
Willie hat das mit der schwarzen Katze op Platt, op Muselfränggisch
& Deutsch so gut gefallen, dass er es mit Ron & Keith im Studio
eingespielt und uns für die neue CD geschenkt hat. (Platten & CDs bei
Trikont/München.)
Kyriakos Tekoutsof bedient im griech. Restaurant "Chalkidiki"
in der Johannisstraße und packt zu später Stunde öfter
mal die Bouzouki oder die Gitarre aus. Sein Nachtlied vom Dialog mit den Sternen
mußte in Erinnerung an so manchen Abend bei gutem Essen, Wein,
Bier einfach mit auf die CD gepackt werden: griechische Musik wird auch
schon vor 2000 J. in der römischen Treveris zu hören gewesen sein.
Uwe wohnt genau gegenüber und hat ihn bei sich zu Hause mehrspurtechnisch
aufgenommen.
Chris Oberweis & Andi Sittmann (von den "Rambling Rovers")
haben das Heine-und-Vivaldi-Stück mit arrangiert und die musikalischen
Versatzstücke bei Chris in Sirzenich aufgenommen. In einer ersten Fassung
spricht W. den Heine und Chris das Nachtgespenst. Wer das mal zum Vergleich
hören will, kann die Aufnahme gerne bei uns anfordern. Dann hat es sich
aber ergeben, dass Carsten als Düsseldorfer und Jurist wie Heine!
sich immer mehr da hineindenken mochte und W. zur Abwechslung
mal das "Gespenst" spricht. Wir haben alle diese mindestens 2 Seiten
in uns und es hat uns einander wieder viel näher gebracht, dass
W. nun das Alter Ego von Carsten ist (bzw. spricht)! Harry Heine im Kölner
Dom Carsten Söns nun im Trierer Dom mit WL auf der Lauer
und bereit, zuzuschlagen
Dann war es doch nur ein Alptraum - denn "ich erwachte plötzlich."
Aber das Schlimmste, was man morgens, noch gar nicht richtig aufgestanden, der
Kaffee hat noch gar nicht gewirkt, tun kann, ist: das Frühstücksfernsehen
einschalten. Abartig! Katastrophen, Mord & Totschlag frei Haus da
hat die Morgenstund kein Gold mehr im Mund
Das Lied vom "frz.
Bett" geht auf eine Liedidee von 1995 zurück als die erwähnten
Dinge tatsächlich innerhalb kurzer Zeit so passiert sind. Die Radiosequenzen
im Song sind nun von Ende Juni 2003 und behandeln 1. die Erklärungen einer
gewissen Patricia in m Politskandal made in France; 2. die FBI-Erkenntnisse
bzgl. der Kontakte eines mutmaßlichen usw. Wir wissen worauf das hinausläuft:
zu Osama bin Laden in Afghanistan, schon im Herbst 2000, ein ganzes Jahr vor
dem Anschlag in New York; 3. die engagierte Rede des derzeitigen Premierministers
Raffarin: daß die Unschuldsvermutung bei Anklage immer noch so lange gelten
muß, bis jemand wirklich schuldig gesprochen worden ist
Refrain
& Kanon gehen auf 4 Verse aus Victor Hugos Roman "Les Misérables"
zurück (was der junge Gavroche auf den Barrikaden von Paris 1830 noch im
Sterben von sich gibt). (Vgl. das Gemälde von Delacroix: La liberté
guide le peuple. Die Freiheit führt das Volk.)
Die Amerika-Trilogie (17-19) ist das Beste, was Uw & W. 2000 aus
den USA mitgebracht haben: Momentaufnahmen von der ersten Nacht in m Indianerzelt,
vom Einreiten in Santa Fe, vom Treiben, Gleiten, Abheben mit m Raddampfer
auf dem Mississippi vor New Orleans Karl May meets Huckleberry Finn,
with Cynthia Ann Parker ("Ride The Wind"/"Die mit dem Wind reitet")
passing by
Und natürlich haben Woody Guthrie und Bob Dylan dabei Pate
gestanden. Bill Miller, John Trudell, Robbie Robertson (Native American music)
Wir haben das alles im Soundlab(oratorium) Kanzem (s.
Foto) im Mai-Juni 2003 eingespielt, überspielt, eingesungen, abgemischt,
komprimiert, excited, etc. - und sind dabei von Ralf Hess und Lothar Schmitt
als quasi-Produzenten hervorragend unterstützt und zu Höchstleistungen
angetrieben worden. Und was das Allertollste ist: eine schwarze
Katze (listen to Willie Dunn 06) hat dort zur selben Zeit 4 Junge geboren
und gesäugt, bis sie bei Kräften waren, sich ganz individuell auf
das Abenteuer des Lebens einzulassen
(P.S.
3/2005)